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Das MISEREOR-Hungertuch 2021:“Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Die chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánche zeigt das Röntgenbild eines gebrochenen Fußes. Ein Demonstrant wurde im Oktober 2019 auf dem „Platz der Würde“ in Santiago von der Polizei schwer verletzt.
In der Mitte des dreiteiligen Bildes sehen wir die schwarzen Linien des Röntgenbildes. Dieser gebrochene Fuß mit den sichtbaren Verletzungen steht stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen gebrochen und zertreten werden.

Impulse für die 1. Woche:
Der Titel des Hungertuches ist der 9.Vers aus Psalm 31:
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ Dieser Vers lässt uns in unserer momentanen Situation vielleicht etwas stutzig werden.
Statt weiten Raum mit vielen Möglichkeiten erleben wir seit Monaten häusliche Enge, Einschränkungen in allen Lebensbereichen aus Sorge vor Ansteckung und Weiterverbreitung des Virus. Unsere Sehnsucht nach „weitem Raum“ wird immer größer, aber gleichzeitig wächst die Sorge, ob und wie wir die Pandemie in den Griff bekommen werden. Der Mensch, der vor ca. 2500 Jahren diesen Psalm verfasste,  hat ein Gebet geschrieben, das ich in einer Auslegung überschrieben fand mit den Stichworten:
„Bitte um Vertrauen und Dank eines tödlich Bedrohten“.
In seiner Verzweiflung wendet sich der Beter an Gott.

Heute konfrontiert uns die Pandemie mit unserer Verwundbarkeit und stellt für viele Menschen eine tödliche Bedrohung dar. Gewissheiten werden erschüttert. Wir müssen feststellen: Es ist längst nicht alles plan- und machbar.
Die Corona-Krise hat aber auch sichtbar gemacht, was möglich ist, wenn Menschen in einer Situation der Bedrohung Verantwortung füreinander übernehmen: z.B. durch die Einhaltung der abgesprochenen Regeln zum Schutz aller.
In schwierigen Situationen haben Menschen zu allen Zeiten Zuflucht bei Gott gesucht und gefunden. Aus der Enge der Angst blickten sie hinaus ins Weite und schöpfen Kraft fürs Weitergehen.

Guter Gott,
wie die Menschen in den Psalmen, klagen auch wir Dir unsere Not und schütten unsere Herzen bei Dir aus. Du allein kannst uns letztlich helfen und heilen, trösten und retten. Du allein kannst uns aufrichten und beistehen, beruhigen und bewahren. Stärke uns im Vertrauen, dass wir in Deiner Hand wahrhaft geborgen sind. Dein schöpferischer und heilender Geist wirke in uns und unter uns. Erschaffe in uns neuen Atemraum in aller Bedrängnis, inneren Halt in jeder Verunsicherung und festen Grund und Boden in jeder Erschütterung.
Hilf uns dem Leben zu vertrauen, weil wir es nicht alleine zu leben brauchen, sondern weil Du es mit uns lebst. Amen.

Meditation zum Hungertuch

Du stellst meine Füße

auf weiten Raum

die Würde des Menschen:

Der aufrechte Gang

auf Füßen die getragen

und brechen

und heilen

goldene Blumenhast du ausgestreut

unbeirrt

mit Narben und auf Krücken

folgen wir

dieser goldenen Spur

(RicardaMoufang)